Ska María Pastora - Anbau und Anwendung von Salvia Divinorum
bei den Mazateken in Mexiko


5. Schlussfolgerungen und Ausblick

Die halluzinogene Anwendung von Salvia divinorum folgt dem schamanistischen Prinzip der Vermittlung zwischen dem Menschen und dem Übermenschlichen oder, anders ausgedrückt, der Kommunikation zwischen der physischen Welt und anderen Daseinsebenen eines vielschichtigen Weltbildes. Der Curandero selbst agiert dabei nicht als Arzt, der Krankheiten diagnostiziert und entsprechend behandelt, sondern vermittelt den Kontakt zu überpersönlichen Entitäten, den Schutzheiligen der Pflanzen, die dem/r Patienten/in das für die Heilung oder Erkenntnisfindung erforderliche Wissen mitteilen. Der Ursprung dieses Wissens liegt in der Vorstellung der Mazateken nicht bei den Heiligen selbst, sondern kommt vom Himmel, dessen Botschafter sie sind. Die halluzinogene Minze Salvia divinorum dient den Mazateken also als Bindeglied in der Kommunikationskette zwischen Mensch und Himmel.

Außerdem ist die Pflanze aber mehr als nur ein Mittel zur Kontaktaufnahme mit den Heiligen. Aus der Perspektive eines "Multinaturalismus"2 des emischen Weltbildes betrachtet, stellt die pflanzliche Gestalt eine von vielen möglichen Erscheinungsformen von la María Pastora dar und ist damit ihre Inkarnation in der physischen Welt. So ist es möglich, dass man la María als göttliches Wesen anruft, sie anschließend in ihrer pflanzlichen Gestalt zu sich nimmt und dann, in Form der halluzinogenen Erfahrung, eine/r ihrer SchülerInnen wird.

Noch zu klären bliebe die Frage nach der Herkunft der von den Curanderos angebauten Salvia divinorum Pflanzen. Informationen darüber, ob die Stecklinge zwischen den Besitzern weitergegeben, oder - Valdés' Spekulation gemäß - von freilebenden Populationen im Hochland geholt werden, könnten weitere interessante Einblicke sowohl in die Botanik von Salvia divinorum, als auch in die Arbeitsweise der Curanderos ermöglichen.





Ethnobotanik von Salvia Divinorum (Zaubersalbei, Wahrsagesalbei, Aztekensalbei), Schamanismus der Curanderos in Mexiko, Multinaturalismus vs. Multikulturalismus, Viveiros de Castro