Ska María Pastora - Anbau und Anwendung von Salvia Divinorum
bei den Mazateken in Mexiko


4. Anwendung von Salvia Divinorum

Salvia divinorum wird sowohl als Heilmittel als auch als Halluzinogen in Wahrsageritualen eingesetzt. In niedrigen, nicht halluzinogenen Dosierungen soll es gegen diverse körperliche Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Rheumatismus und zahlreiche Verdauungsproblemen helfen und wird außerdem als Tonikum gegen Alterserkrankungen eingesetzt. Gegen eine magische Erkrankung, die als "panzon de barrego (sic)" bekannt ist, soll es ebenfalls gute Dienste leisten. Dieser von brujos, bösen Zauberern, eingesetzte Fluch bewirkt, dass der Bauch des Opfers anschwillt und hart wird wie ein Stein. Salvia divinorum kann diesen Stein verschwinden lassen und dem Bauch seine ursprüngliche Größe zurückgeben (Valdés et.al. 1983).

Bei einer Verwendung als Heilmittel werden Dosierungen von 8 bis 10 Blättern verabreicht, bei Anwendung als Halluzinogen werden - aufgrund des relativ geringen Wirkstoffgehalts - deutlich höhere Dosen von bis zu 160 Blättern benötigt. Die übliche Dosierung wird unter Umständen aber auch deutlich erhöht. Der aus Österreich stammende Anthropologe Roberto Weitlaner schreibt dazu 1952: "The curandero who brings the leaves first asks the sick person if he is addicted to taking alcohol, because, when a man does not take alcohol, fifty leaves are prescribed; when he takes alcohol, then 100 leaves are prescribed." (Weitlaner 1952 zit.n. Wasson 1962)

Es sind zwei grundlegende Formen der Zubereitung und Einnahme von Salvia divinorum bekannt. Zunächst werden beschädigte oder von Parasiten befallene Blätter aussortiert. Die übrigen Blätter werden als Paare angeordnet, was das männliche und weibliche Prinzip symbolisieren soll. (Harrison 2000). Die für die jeweiligen Teilnehmer bestimmten Portionen werden nun entweder in Form einer Zigarre gerollt, oder durch Zerkleinern und Auspressen in einer Schale mit Wasser zu einer Suspension verarbeitet. Schaumbildung beim Herstellen der Suspension gilt als Zeichen für eine besondere Potenz der verwendeten Blätter (Valdés et.al. 1983). Die Flüssigkeit wird getrunken, die zigarrenförmig gerollten Blätter werden entweder langsam zerkaut und geschluckt oder man saugt nur den bitteren Saft heraus und spuckt das übrige Pflanzenmaterial anschließend aus. Welcher Zubereitung der Vorzug gegeben wird, hängt vom behandelnden Curandero ab. So sah sich Wasson bei einem Feldaufenthalt im Jahre 1961 aufgrund des bitteren Geschmacks nicht in der Lage die Blätter zu zerkauen, und bekam daher eine Suspension verabreicht, die seine Curandera normalerweise zahnlosen Patienten vorbehielt (Wasson 1962).

Wahrsagerituale mit Salvia divinorum finden nach Einbruch der Dunkelheit statt und beginnen in der Regel mit einer rituellen Reinigung (Limpias). Piciete, eine pulverförmige Tabakzubereitung und das Verräuchern von Copal sind wichtige Bestandteile dieser Zeremonie. Die Reinigung wird von Gebeten und Gesängen begleitet, in denen die Schutzheiligen der Pflanzen um Segen und Unterstützung gebeten werden. In diesen Anrufungen wird den Heiligen der Grund des Rituals mitgeteilt und man bittet sie, den Beteiligten das gewünschte Wissen zu vermitteln. Dieses Wissen kann der Grund für eine körperliche oder geistige Erkrankung und die notwendige Behandlung sein, oder den Ort bezeichnen, an dem sich ein verlorener Gegenstand befindet. Handelt es sich bei einem Teilnehmer um den Lehrling eines Curandero, werden die Heiligen gebeten, ihn im Heilwissen zu unterweisen. In dieser Lehrlingsrolle finden sich häufig auch westliche Forscher wieder, die an einem Ritual teilnehmen, um mehr über die Verwendung und Wirkung von Salvia divinorum zu erfahren (Valdés et.al. 1983). Je nach Situation wird Salvia divinorum nur vom Curandero, seinem Schüler, den Patienten oder allen Beteiligten eingenommen. In Gesprächen nach und teilweise auch während der Wirkungszeit der Pflanze werden die Visionen besprochen und in Bezug auf die Fragestellung gedeutet (Valdés et.al. 1983).

Charakteristisch für die Wirkung von Salvia divinorum ist, dass die Visionen jederzeit leicht unterbrochen werden können. Licht und laute Geräusche reichen in der Regel aus, um den Geist der Pflanze zu vertreiben und ins Wachbewusstsein zurückzukehren. "La Pastora is very shy, they tell me, timid like a deer. She will only come when we have eaten many pairs of the leaves and sit very quietly, perfectly still in the darkness, as in a glen in the forest in the moonlight. If someone moves or speaks suddenly, she will disappear in a moment." (Harrison 2000; Hervorhebung i. Orig.)

Ethnobotanik von Salvia Divinorum (Zaubersalbei, Wahrsagesalbei, Aztekensalbei), Ritual, Dosierung und Anwendung durch den Curandero, die Curandera