Ska María Pastora - Anbau und Anwendung von Salvia Divinorum
bei den Mazateken in Mexiko

Ska Marķa Pastora nennen die Mazateken1 eine Pflanze, die sie in Heil- und Wahrsageritualen einsetzen. Salvia divinorum, so die lateinische Bezeichnung, ist eine halluzinogene Salbeiart der südmexikanischen Bergwälder. Anbau und Besitz dieses magischen Heilmittels wurde lange Zeit vor Fremden verheimlicht und die Wahrsagerituale, für die es verwendet wird, enthüllen eine faszinierende Vermischung von schamanischer Tradition und christlichen Einflüssen.


Ein wichtiger Hinweis vorweg:

Diese Arbeit beschreibt die traditionelle Verwendung der psychoaktiven Pflanze Salvia divinorum durch die Mazateken. Das Ziel des Textes ist es, die kulturellen Zusammenhänge zu erläutern, in denen Salvia divinorum in Mexiko verwendet wird. Die Pharmakologie von Salvia divinorum ist für diese Zielsetzung weitgehend uninteressant und die psychoaktiven Inhaltsstoffe der Pflanze (Salvinorin), ihre Wirkungen und potentiellen Gefahren werden daher nicht behandelt.

Angaben bezüglich Zubereitung, Dosierung und Einnahme von Salvia divinorum sind Beschreibungen mazatekischer Heiltradition und keine Anleitung für Konsumenten!
Umfassende Informationen über die Pharmakologie von Salvia divinorum finden sie im Salvia divinorum Research and Information Center von Daniel Siebert. Konsumenten und Konsuminteressierte möchte ich auf das Salvia Divinorum Benutzerhandbuch hinweisen, das detailliert auf den korrekten Umgang mit Salvia divinorum und mögliche Gefahren des Konsums eingeht.

1. Einleitung

Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca ist eine schamanistische Tradition lebendig, die auf die rituelle Verwendung halluzinogener Pflanzen und Pilze gründet. Der Süden Mexikos ist äußerst reich an natürlichen Halluzinogenen und ebenso zahlreich sind die Wahrsagetechniken und Heiltraditionen, in denen sie Verwendung finden.

Seit den frühen Sechzigern fanden einige dieser bewusstseinsverändernden Substanzen und in ihrem Gefolge auch ein wenig des indigenen Heilwissens der Curanderos (Schamanen oder Heiler) einen Weg in die westliche Welt. Zahlreiche populärwissenschaftliche Veröffentlichungen und die "psychedelische Revolution" der Hippie-Kultur und des New-Age führten zu einer so großen Popularität, dass in machen Gegenden Mexikos ein regelrechter "Pilztourismus" entstand.

Deutlich weniger spektakulär war die Reaktion auf die relativ späte Entdeckung einer weiteren traditionellen Schamanenpflanze Mexikos. Salvia divinorum - "Wahrsagesalbei" - nennt sich ein Gewächs, dass erst im Laufe der letzten Jahre im Westen bekannt geworden ist. Der folgende Artikel nutzt vorhandene Quellen, um traditionelle Methoden des Anbaus und der rituellen Verwendung von Salvia divinorum durch die Mazateken1 genauer zu beleuchten.

Zu Salvia divinorum, das von den Mazateken auch ska María Pastora (Blätter von Maria der Schäferin) genannt wird, sind seit der botanischen Beschreibung durch Epling und Játiva-M. 1962 eine Reihe von Fachartikeln erschienen, die einen guten und doch überschaubaren Überblick über Ethnobotanik und Pharmakologie dieser Pflanze liefern. Weit größer noch ist die Anzahl populärwissenschaftlicher und journalistischer Publikationen, die das wachsende Interesse experimentierfreudiger Hobbyforscher zu befriedigen versuchen. In den meisten Überblicksdarstellungen wird detailliert auf Botanik, Wirkung und Chemie der Pflanze eingegangen. Informationen darüber, welche Rolle und Bedeutung die Mazateken der Salvia divinorum beimessen, finden sich dagegen eher selten und verstreut.

Das Ziel dieser Arbeit soll sein, einen Überblick über die Verwendung von Salvia divinorum durch die Mazateken zu geben. Der ganzheitliche Ansatz der mazatekischen Heilkunst macht es notwendig, die Pflanze, die mit ihr verbundenen Vorstellungen und ihre Anwendung gemeinsam zu betrachten. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, möchte ich zunächst kurz auf Botanik und Anbau eingehen und einige Besonderheiten herausgreifen. Anschließend werde ich versuchen, einen Einblick in die Rolle und Bedeutung von Salvia divinorum in der mazatekischen Vorstellungswelt zu geben. Auf den genauen Ablauf der Rituale und die halluzinogene Wirkung von Salvia divinorum kann ich im Rahmen dieser Arbeit nur grob eingehen, da ich den Fokus vor allem auf Anbau, Anwendung und die damit verbundene Vorstellungswelt setzen möchte.

Salvia divinorum wird sowohl von weiblichen Curanderas, als auch von männlichen Curanderos verwendet. Im Interesse der Kürze und leichteren Lesbarkeit beschränke ich mich in dieser Arbeit auf die Verwendung männlicher Bezeichnungen, meine damit aber gleichermaßen auch die weibliche Form.





Ethnobotanik, Ethnopharmakologie von Salvia Divinorum (Zaubersalbei, Wahrsagesalbei, Aztekensalbei, Hexensalbei) bei den indigenen Mazateken in Mexiko (Oaxaca)