“Webdesigner gibt es nicht”

Webdesigner in Space?Ich erinnere mich gut, wie ich gegen Ende der 90er Jahre im Berufsinformationszentrum (BIZ) eines Arbeitsamtes nach meinem zukünftigen Traumberuf stöberte. Damals hatte ich bereits etwas Erfahrung bei der Erstellung von Websites gesammelt und war sicher, dass ich mich nach meinem Abitur auch beruflich damit beschäftigen wollte.

Nachdem ich im BIZ aber diverse Infomappen herausgesucht und die Liste der verfügbaren Filme gründlich durchgesehen hatte, begann ich mir Sorgen zu machen. Nicht etwa weil die Filme auf kanaldeckelgroßen Laserdiscs gespeichert waren - die galten in den Zeiten vor der DVD tatsächlich noch als cool und zukunftsfähig. Was mir wirklich Sorgen machte, war das Fehlen jeglicher Hinweise auf die tatsächliche Existenz meines Traumberufs.

Nachdem ich auch den Beratungscomputer befragt hatte, der mich nach einem langwierigen und genauen Fragebogen vor die Wahl stellte, entweder Pferdewirt oder Pfarrer zu werden, hatte ich endgültig genug von den Vorzügen der mediengestützten Berufsfindung. Doch auch beim menschlichen Berater bekam ich nur die Auskunft: “Nein, Webdesigner gibt es nicht”.

Damals hat mich diese Auskunft zwar ziemlich irritiert, den Beruf des Webdesigners habe ich aber trotzdem ergriffen. Das Problem lag zum Teil wohl daran, dass das Internet in den Neunzigern noch recht jung, und seine wirkliche Bedeutung noch nicht zu allen Ämtern durchgesickert war. Außerdem hatte ich schlicht und einfach das falsche Schlagwort verwendet, denn Webdesigner gibt es als offizielle Berufsbezeichnung tatsächlich nicht.

Ein Beruf, viele Namen

Weltweit bestreiten viele tausend Menschen ihren Lebensunterhalt mit der professionellen Gestaltung und Programmierung von Websites. Auch in der englischsprachigen Welt hat man durchaus Schwierigkeiten, sich auf eine Bezeichnung zu einigen. Titel wie web worker, information architect, web developer und web designer meinen aber trotzdem nur verschiedene Facetten des selben Berufsfelds.

“Webdesigner” ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Es darf sich also jeder so nennen, der sich davon einen Vorteil verspricht, über die berufliche Qualifikation sagt das aber wenig aus. Bislang gibt es in Deutschland keinen anerkannten Ausbildungsweg zum Webdesigner und die fast inflationäre Verwendung durch selbsternannte Profis und teils fragwürdige Weiterbildungsangebote haben den Begriff zusätzlich in Verruf gebracht.

Trotz aller Definitionsprobleme scheint mir der Ausdruck “Webdesigner” das Aufgabenfeld treffend zu beschreiben, wobei das Wort “Design” die Tätigkeit der Programmierung durchaus mit einschließen kann (im Sinne z.B. von Software Design). In diesem Sinne verstehe ich unter Webdesignern jene Personen, die hauptberuflich Webseiten programmieren und gestalten.

Über die möglichen Ausbildungswege zum Webdesigner schreibe ich in den kommenden Beiträgen ausführlich. In Deutschland haben sich Berufsausbildungen und Studium in Design oder Informatik am ehesten bewährt, doch auch der Quereinsteiger mit Talent und guten Referenzen hat angeblich noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Dies ist der zweite Teil der Reihe Internetberufe.

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Foto: ThunderChild5



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Kommentare

Wow, mir ist genau das gleiche passiert. Ich wollte mich im BIZ informieren, habe den computergestützten Test gemacht und als Ergebnis “Sattler” bekommen. Nichts mit Webdesign, nichts mit Informatik, das gab es schlichtweg nicht.
Ich sollte mal bei Gelegenheit wieder diesen Test durchführen, vielleicht kommt ja diesmal was gescheites raus :)

Hahaha, herrlich! Dieses Programm wollte mich zum Diamantschleifer machen. Merkwürdig das egal wen man fragt, niemals eine auch nur annährend realistische Tätigkeit dabei raus kam.
Quell der Freude war es aber aufjedenfall.

Zur Berufsbezeichnung:
Immer muss “designer” hinten dran, wahrscheinlich weil viele denken der Begriff ist soo cool und man kann so besser prollen.

Andererseits, wenn ich gefragt werde was ich denn fürn Beruf gelernt habe, ists mir eigentlich schon peinlich zu sagen Mediengestalter für Digita- & Print… Viel zu lang, viel zu öde. Gefällt mir selbst nicht.

Webdeveloper gefällt mir persönlich noch am besten, wobei ich da wieder sagen muss, denke ich in erster Linie ans Coden, und eher weniger an die Gestaltung.

Und ob Referenzen doch noch was wert sind ? Ich meine, ich hab auch schon nette Rerenzen in meiner Liste, bei der Jobsuche war es in letzter Zeit aber weniger hilfreich. Ich denke doch irgendwie, das Vitamin_B nur noch helfen tut, weil seien mal ehrlich - wieviele Bewerbungen kriegen die Agenturen ? Genug, die Auswahl ist enorm, der Markt ist voll mit Designern, und und und.

Vor einigen Jahren konnte ich noch die Erfahrung machen, das nachdem ich meine Referenzen genannt hatte, plötzlich immer irgendwas möglich war, obwohl vorher gesagt wurde: “wir bieten momentan nichts an”.

Webdesigner gibt es nicht? Und was sitzt dann bei mir daheim auf dem Sofa..? Ok, ok, eine Mediengestalterin (für Digital- und Printmedien *mundfuseligred*).

Ich kenne aber jemanden bei dem das BIZ beinage recht hatte. Einem Freund (ich selbst bin nie hingegangen) hat der Computer empfohlen, Physiklehrer zu werden (ganz oben auf seiner Liste der meistgehassten Schulfächer: Physik, Biologie, Chemie). Was hat er schließlich studiert? Medizin. Ist nicht sooooo weit weg.

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