Orisha-Religion in Trinidad und Tobago - Teil 3

Afrikanisch-christlicher Synkretismus in der Karibik

Feste & Feiern im Orisha

Es gibt eine ganze Reihe von Anlässen, zu denen religiöse Feste veranstaltet werden. Auf Trinidad werden die Orishas am Namenstag der mit ihnen verbundenen Heiligen gefeiert. Außerdem werden häufig Feste von Privatleuten finanziert, die den Orishas damit für erwiesene Wohltaten danken wollen. Kleinere Feste dauern eine Nacht, größere erstrecken sich in der Regel über drei Tage.

In einem Artikel (der unter www.trinidad-tobago.net nachzulesen ist) beschreibt Regina Sankar-Øyan den Ablauf eines dreitägigen Festes in Trinidad. Zentraler Bestandteil der Festlichkeiten ist das Erneuern der Flaggen. Ebenso wie jeder Orisha einen eigenen Charakter, Vorlieben und Abneigungen hat, so werden ihm neben seinem persönlichen Symbol auch eigene Farben zugeschrieben. Zu Ehren der Orishas werden Flaggen in ihren persönlichen Farben aufgestellt und jährlich gegen neue ausgetauscht.

Ulrich Fleischmann nennt in seinem Artikel über Synkretismus in der Karibik fünf Elemente afrikanisch geprägter Religionen (Fleischmann 1991: 16), die wir unter anderem auch in der Flaggenzeremonie wiederentdecken können.

Orisha teilt also viele Gemeinsamkeiten mit seinen afroamerikanischen und karibischen Nachbarreligionen, doch darf nicht vergessen werden, dass es sich, wie ebenfalls Fleischmann anmerkt bei den afrokaribischen Religionen „um sehr komplexe Phänomeme“ handelt, „die durch ein verändertes soziales Umfeld sich rasch wandeln und aufsplittern, wobei die ‚afrikanischen’ und ‚europäischen’ Elemente ein verändertes Gewicht bekommen können“ (Fleischmann 1991). Auf eine solche Veränderung im sozialen Umfeld möchte ich abschließend noch kurz eingehen.

Aktuelle Tendenzen im Orisha

Frances Henry (Cerlac Working Papers Series, June 2001) hat in einem dreijährigen Feldforschungsaufenthalt von 1997 bis 2000 eine starke Dynamik der Veränderung innerhalb des Orisha Glaubens festgestellt. Er beobachtete vor allem ein Schwinden synkretistisch-christlicher Elemente zugunsten einer stärkeren Afrikanisierung der Rituale. Einher geht dieser Prozess mit dem Versuch, eine Infrastruktur für die traditionell dezentralen und unorganisierten Orisha-Kulte zu schaffen.

Laut Henry bemühen sich viele jüngere Gläubige und Aktivisten um eine stärkere gesellschaftliche und politische Anerkennung der Religion und können bereits in einer ganzen Anzahl entscheidender Bereiche Erfolge aufweisen: Ein Ehegesetz für den Orisha-Glauben wurde offiziell abgesegnet, öffentliche Feierlichkeiten anlässlich eines Familientages der Orisha werden sowohl von der breiten Masse der Bevölkerung, als auch von Repräsentanten der Regierung besucht, die Medien berichten immer häufiger von Orisha-Veranstaltungen und sogar in der Pop-Kultur der Calypso Musik hat Orisha ein deutlich positives Image bekommen.


Einige Quellen:

Sankar-Øyan, Regina - Beyond belief at a Orisha Yard in Trinidad –
http://www.trinidad-tobago.net/Article.aspx?PageId=55

Sankeralli, Burton - I am Orisha. –
http://www.trinidad-tobago.net/Article.aspx?PageId=56

Henry, Frances - Cerlac Working Papers Series, June 2001 - RECLAIMING AFRICAN RELIGIONS IN TRINIDAD: THE ORISHA AND SPIRITUAL BAPTIST FAITHS TODAY - http://www.yorku.ca/cerlac/papers/pdf/henry.pdf

Eine vollständige Liste der Quellen ist auf Anfrage beim Autor erhältlich.


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