Orisha-Religion in Trinidad und Tobago - Teil 2

Afrikanisch-christlicher Synkretismus in der Karibik

Die Initiation im Orisha

Die Motivation zur Initiation in Orisha sind oft Visionen, Unglücksfälle oder Krankheiten, die als göttlicher Hinweis verstanden werden. Der Gläubige stellt sich durch seine Initiation unter den Schutz eines persönlichen Orisha, der ihn in Zukunft vor Unglück und Krankheit beschützen soll.

Das Initiationsritual beginnt mit einer Visionssuche. Der Initiant begibt sich an einen abgelegenen Ort, um dort allein zu fasten und zu meditieren. In seinen Visionen reist er nach Afrika und trifft dort seinen Schutzgott. Diese Gottheit ist sein persönlicher Orisha, der ihn für den Rest seines Lebens begleitet. Während der Rituale wird er dem Gott seinen Körper zur Manifestation zur Verfügung stellen und fortan immer wieder von diesem Orisha besessen werden.

Neben Besessenheit durch Orishas kann es auch vorkommen, dass Geister anderer Herkunft (z.B. indischer Herkunft) empfangen werden. Ihre Ankunft wird in der Regel durch Glossolalie bekannt gegeben, im Gegensatz zu den afrikanischen Orishas, die sich in französischem Patoisdialekt oder Englisch bemerkbar machen.

Nach seiner Visionssuche geht der Initiant in die „Chapelle“, den Tempel des örtlichen Kultleiters, um dort mit Pflanzensud gereinigt und mit bunten Bändern geschmückt zu werden. Sind diese Vorbereitungen abgeschlossen, wird er nach christlichem Ritus getauft, indem der Kultleiter ihm Wasser über den Kopf gießt und spricht: „Ich taufe Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. (vgl. Pollak-Eltz 1995: 97)

Nun ist noch ein mehrtägiger Aufenthalt im Tempel erforderlich, um die Initiation abzuschließen. Jeder Orisha bzw. Power hat also eigene initiierte Anhänger. Gefeiert wird in der Regel aber gemeinsam in einem Tempel, wobei die Orishas nacheinander angerufen werden.

Kultobjekte in der Orisha-Religion

Wichtige Kultobjekte im Orisha sind die sogenannten Stools, Kultgegenstände aus Stein oder Lehm, die als eine Art Altar für die Orisha-Gottheiten dienen. Jeder Orisha hat einen eigenen Stool, in dem sich seine Kraft konzentriert. Auf diesen Stools werden die eigentlichen Symbole der Gottheiten deponiert. Für den Donnergott Shango ist dies zum Beispiel eine Doppelaxt, für Ogun werden Eisenstücke auf seinen Stool gelegt und Yemanya, die Herrin des Salzwassers, wird durch ein Ruder repräsentiert.

Die Stools und Symbole werden, wenn sie nicht gebracht werden, in einem Kultraum, dem sogenannten „Palais“, aufbewahrt. Jedes initiierte Kultmitglied besitzt auch einen eigenen Stool für seinen Orisha, der neben seinem Wohnhaus steht und vor dem Speise und Trankopfer dargebracht werden.

Errichtet werden diese Stools von erfahrenen Kultmitgliedern. Zunächst wird dazu ein Erdloch ausgehoben, in das Rum und das Blut von geopferten Ziegen oder Schafen gegossen wird. Gleichzeitig werden vom Ritualleiter Gebete gesprochen. Dann wird der eigentliche Stool, der schon vorher angefertigt wurde, über das Loch gelegt und es werden Schutzzeichen aus weißer Kreide darum gemalt. Schließlich wird dann der persönliche Orisha des Initiierten angerufen, damit er sich im Stool manifestiert. (Pollak-Eltz 1995: 98)

Teil 3 - Rituale, Feste und Opfer im karibischen Orisha




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