Orisha-Religion in Trinidad und Tobago - Teil 1
Afrikanisch-christlicher Synkretismus in der Karibik
Einleitung: Wurzeln in der Sklaverei
Die Orisha Religion in der Republik Trinidad und Tobago, auf den Antillen, hat ihre historischen Wurzeln in der Kultur der Yoruba. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wurden hunderttausende Yoruba aus ihrer westafrikanischen Heimat, im Gebiet des heutigen Nigeria, als Sklaven in die Neue Welt verschleppt. Sie waren die letzte große Gruppe schwarzer Migranten, die Amerika erreichten, und hatten einen starken Einfluss auf das kulturelle und religiöse Leben der versklavten Afrikaner.

Orisha entwickelte sich in den Jahren der Sklaverei zu einem synkretistischen Kult, der sowohl Elemente des afrikanischen Orisha, als auch christliche Einflüsse in sich vereint. Gemeinsame Rituale und ein Fokus auf Afrika halfen Unterschiede und Differenzen zwischen den afrikanischen Völkern in der Diaspora zu mildern. Für die Yoruba, ebenso wie den schon vorher eingetroffenen Hausa, Ibo und Congo Migranten war Orisha eine Quelle neuen Selbstverständnisses und gemeinsamer kultureller Identität. Dieses neue Selbstverständnis half, das unmenschliche System der Sklavenhaltung und Plantagenkultur besser zu ertragen und Strategien für das Leben und Überleben innerhalb dieses Systems zu entwickeln. (Elder 1991: 28).
Seine sozio-politische Bedeutung hat Orisha, trotz vieler Wandlungen, bis heute nicht verloren. Im Orisha sind viele Elemente afrikanischer Kultur erhalten geblieben, die in den Jahren der Diaspora sonst sicher verloren gegangen wären. Im Rahmen einer Rückbesinnung auf die afrikanischen Wurzeln ist Orisha seit den neunziger Jahren in einer Wandlung begriffen. Der Trend scheint weg zu gehen von synkretistischen Elementen, wie der Einbeziehung katholischer Heiliger und christlicher Riten, und hin zu einer „authentischeren“, afrikanischeren Form der Ritualpraxis.
Auch in der öffentlichen Meinung bezüglich Orisha ist es in den letzten Jahrzehnten zu vielen Veränderungen gekommen. Orisha wird stärker Teil des kulturellen Mainstream in Trinidad und Tobago und lässt seine alte Rolle als Protest- und Widerstandsreligion immer weiter hinter sich (Henry: 2001).
Orisha als synkretistische Religion
„I find it insightful that in Trinidad ‘Orisha’ may refer to the devotee, the people. The ‘faith’ and – primarily – to the deities themselves. Hence, the Orishas are the powers or gods the energies/vibrations that constitute the cosmos, we speak of the ‘Orisha Faith’, of Orisha people or simply ‘the Orishas’ and one may say… ‘I am Orisha’”.
(Burton Sankeralli)
Orisha war lange Zeit vor allem unter der Bezeichnung Shango oder Shango-Kult bekannt. Der Begriff „Orisha“ bezeichnet eine Reihe von Gottheiten (auf Trinidad auch als „Powers“ bekannt), von denen die meisten ursprünglich aus der Religion der Yoruba in Afrika stammen.
Shango, ein Donnergott des afrikanischen Pantheons und mythologischer Großkönig der Yoruba, avancierte auf Trinidad zur wichtigsten Gottheit. Die Bezeichnung „Shango“ steht jedoch nicht nur für den Donnergott allein, sondern wird allgemein als Bezeichnung für die Verehrung aller Götter des Orisha-Pantheons angewandt. (Elder 1991: 33) Dieses Pantheon hat im Laufe der Zeit viele Veränderungen erfahren.
Vielfältige kulturelle Einflüsse, sowohl von christlicher Seite, als auch durch die Kulturen früher eingetroffener schwarzer Sklaven (z.B. den Hausa und Ibo) haben zu Änderungen in der Zusammensetzung des „Götterhimmels“, als auch zu Umdeutungen der Eigenschaften einzelner Götter geführt. Die radikal anderen Lebensumstände im Vergleich zur afrikanischen Heimat taten ihr Übriges, um den Bedarf nach der Art göttlicher Unterstützung zu verändern. So weist Elder (1991: 34) beispielsweise darauf hin, dass die Charakteristiken des Gottes Shango auf Trinidad ganz anders sind, als die des Shango bei den Yoruba. Handelt es sich bei Letzterem noch um einen polygamen Medizinmann, mit stark autoritären Zügen, so hat er sich in der neuen Welt zu einer freundlichen Vaterfigur und einem Kämpfer für die Unterdrückten gewandelt.
Ebenso wie sich das Pantheon gewandelt hat, hat sich auch die Organisation des Kultes geändert. Auf Trinidad, Tobago und Grenada gibt es keine kultische Hierarchie, sondern nur Ritualleiter, die als Heiler, Priester und Wahrsager fungieren. (Elder 1991: 35) Auf Grenada werden diese Rollen in der Regel von der Queen of Shango erfüllt, während auf Trinidad männliche Kultpriester vorherrschen. Die Vielzahl sozialer Statuspositionen, die im Yorubaland mit Orisha verbunden ist, ist auf den Antillen nicht zu finden.
Wie schon erwähnt war Orisha lange Zeit eine synkretistische Religion und ist es sicherlich, trotz gegenläufiger Trends in jüngster Zeit, noch immer. Katholische Heilige werden mit den Orishas gleichgesetzt oder werden als eigene, selbstständige Powers verehrt. Lithographien und Statuen von Heiligen werden in den Ritualen benutzt und Feste beginnen mit dem Lesen einer Messe oder mit gemeinsamen katholischen Gebeten. Gelegentlich wird auch ein Priester der Spiritual Baptists („Shouters“) gebeten, ein Ritual zu leiten. (Pollak-Eltz 1995: 99) Die meisten Orisha-Anhänger bezeichnen sich selbst als Katholiken und mehr als 50% sind Mitglieder in anderen religiösen Gruppen, vor allem in der Bewegung der Spiritual Baptists.
Teil 2 - Initiation & Kultobjekte im karibischen Orisha
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moin hier aus sh gute seite….
macht weiter so