Die geheimnisvolle Jungfrau des Nebelwaldes
Unscheinbar verbirgt sie sich in den schattigen Schluchten von Nebelwäldern und über ihre Herkunft sind nur Legenden bekannt. Gemeint ist Salvia divinorum, eine Salbeiart, die im feuchten Klima des mexikanischen Hochlandes gedeiht.
Wissenschaftlich bestimmt wurde die auch als Wahrsagesalbei bekannte Pflanze erst in den frühen 60er-Jahren, nachdem mehrere Versuche, an geeignetes Pflanzenmaterial zu gelangen, fehlgeschlagen waren. Diese Schwierigkeiten hatten ihren Grund: die Curanderos, die schamanischen Heiler der Region, hielten den Standort der Pflanzen lange Zeit vor Fremden verborgen. Denn dieser Salbei ist nicht irgendein Gewächs, aus dem man vielleicht gelegentlich einen Tee zubereitet. Salvia divinorum enthält Salvinorin-A, eine Droge, die schon in geringen Mengen intensivste Halluzinationen auslösen kann.
Diese Eigenschaft wird von den Curanderos dazu benutzt, die Gründe für Erkrankungen ihrer Patienten zu erfahren oder um verlorene Gegenstände wieder zu finden. Durch die Visionen, welche die Pflanze verursacht, tritt der Schamane in Kontakt zur Jungfrau Maria, die ihm dann hilft, eine Antwort auf seine Fragen zu finden.
Fast ebenso wie die biblische Maria scheint sich übrigens auch diese mexikanische Salbeiart vorwiegend ungeschlechtlich fortzupflanzen. Die Vermehrung erfolgt durch Stecklinge. Ob es in der Natur überhaupt zur Bildung von Samen kommt, ist noch unbekannt. Eine durch und durch geheimnisvolle Pflanze also.
Weitere Informationen über den Wahrsagesalbei Salvia divinorum, sowie Details über die Verwendung durch die mazatekischen Schamanen, finden Sie in meiner Arbeit “Ska María Pastora - Anbau und Anwendung von Salvia Divinorum bei den Mazateken in Mexiko”.
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